1941, Dinu-Pass, Karpaten. Hauptmann Woermann erhält den Auftrag, eine alte Festung namens The Keep zu besetzen und den strategisch wichtigen Pass zu sichern. Doch kaum richten sich die deutschen Soldaten ein, beschädigen sie die 108 mysteriösen, in Stein eingelassenen Kreuze – und setzen damit etwas frei, das besser für immer geschlafen hätte. Tief im Bauch des Kastells erwacht das Böse. Zeitgleich regt sich in Griechenland Glaeken Trismegestus, seit seiner Geburt dazu bestimmt, diesem uralten Grauen entgegenzutreten. Dazwischen geraten Professor Cuza und seine Tochter Eva, unwissend und hilflos, zwischen die Fronten zweier übermächtiger Kräfte.
Die Buchvorlage von The Keep stammt von F. Paul Wilson und genießt nicht ohne Grund Kultstatus. Den direkten Vergleich zum Roman spare ich mir an dieser Stelle – der kommt später. Was der Film jedoch ziemlich treffsicher übernimmt, sind die Schwächen der Vorlage: Trägheit, schlechtes Timing und ein sperriger, schwerfälliger Erzählfluss. Das hatte mich bereits beim Buch nicht abgeholt und wird auch in der Verfilmung von Michael Mann nicht wirklich besser. The Keep kommt nie richtig aus dem Quark und arbeitet seinen Plot eher schläfrig als spannungsgeladen ab.
Was den Film dennoch trägt – und teilweise rettet – ist seine unverkennbare 80er-Jahre-Ästhetik. Die Lichtshow, das Nebelgetränkte, die synthetische Bildsprache: Das Ganze schwankt irgendwo zwischen plumpem, aber sympathischem Trash und ambitionierter Kunstinstallation. Gerade diese Optik beißt sich reizvoll mit der düsteren Atmosphäre und dem massiven Setting des Kastells.
Auf Darstellerseite fährt der Film schweres Geschütz auf: Ian McKellen als Professor Cuza, Gabriel Byrne als SS-Offizier Kaempffer, Jürgen Prochnow als Hauptmann Woermann und Scott Glenn als Glaeken Trismegestus. Gerade Glenn bleibt auffällig unauffällig – was weniger an ihm als an der undankbaren Rolle liegt, die schon in der Buchvorlage kaum Profil hatte. Als einzige weibliche Hauptrolle darf Alberta Watson die Eva Cuza verkörpern. Alle Beteiligten versuchen sichtbar, aus dem begrenzten Material das Beste herauszuholen.
Michael Mann filmt sich hier stellenweise regelrecht in Trance – und das funktioniert erstaunlich gut. Besonders der experimentelle Score von Tangerine Dream verleiht dem Film eine hypnotische, fast traumartige Qualität. Trotz aller dramaturgischen Schwächen entsteht so ein eigenständiger, nachhaltiger Eindruck. Mann kompensiert erzählerische Mängel mit Tonalität, Bildkomposition und Atmosphäre – und genau das macht The Keep zu einem unvergleichbaren, wenn auch sperrigen kleinen Kunstwerk.
Fazit
The Keep ist kein guter Film im klassischen Sinne, aber ein faszinierender. Dramaturgisch träge, erzählerisch holprig und weit entfernt von Spannungskino – dafür visuell eigenständig, ästhetisch nachhaltig und atmosphärisch einzigartig. Michael Mann macht aus einer schwachen Vorlage ein hypnotisches 80er-Jahre-Horrorfieber, das mehr Gefühl als Plot transportiert. Wer Tempo, Action oder klare Narrative sucht, wird enttäuscht. Wer sich auf Stil, Stimmung und audiovisuelle Eigenwilligkeit einlassen kann, bekommt ein seltsam schönes, unperfektes Genre-Artefakt.

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