Nach dem traumatischen Mord an seinen Eltern durch einen Mann im Weihnachtsmannkostüm greift Billy Jahre später selbst zur roten Montur – allerdings mit grundlegend anderer Motivation. Genau dieser Perspektivwechsel erweist sich als überraschend eleganter Plotkniff und als tragfähiges Fundament dieser Neuinterpretation.
Das Original von 1984 genießt nicht ohne Grund Slasher-Kultstatus. Entsprechend beruhigend für Puristen: Ja, die legendäre Hirschgeweih-Szene wurde auch im Remake respektvoll reinkorporiert. Pünktlich zur Weihnachtszeit, nach einem kleinen Spaziergang über den Glühweinmarkt und maximaler Kitsch-Vorbelastung, fand ich mich im Kino wieder – und der Film verstand es prompt, diese Stimmung aufzunehmen und pervertiert weiterzudenken.
Visuell gibt sich der Film insbesondere zu Beginn bewusst reduziert und erzeugt damit ein charmantes B-Movie-Flair, das eher an Regalware aus der Videotheken-Hochphase erinnert als an zeitgenössischen Hochglanzhorror. Auch musikalisch wird dieser Ansatz konsequent fortgeführt: Das Sounddesign-Duo Blitz//Berlin verzichtet auf wuchtige Orchesterarrangements und setzt stattdessen auf variierte Christmas-Klassiker, die ironisch gebrochen und wirkungsvoll eingesetzt werden. Diese Mischung passt erstaunlich gut und rundet den Slasher atmosphärisch sauber ab.
Regisseur Mike P. Nelson – der mit The Domestics (2018), V/H/S/85 (2023) und dem notorisch misslungenen Wrong Turn (2021) bereits mehrfach im Genre wilderte – beweist hier endlich ein sicheres Gespür für Tonalität, Rhythmus und Eskalation. Der Film steigert sich über mehrere Twists und gelungene Ablenkungsmanöver, wobei insbesondere Billys Romantic Interest Pamela (Ruby Modine) angenehm undurchsichtig bleibt.
Im Mittelteil mündet das Ganze in eine fast schon schlockige Weihnachtsmann-Killerorgie, die eine eigenständige, angenehm enthemmte Tonalität entwickelt und mich durchgehend bestens amüsiert hat. Ab diesem Punkt zieht auch der Härtegrad merklich an: Gegen Ende gibt es ordentlich handgemachtes Gekröse, ohne sich in sinnlosen Overkills zu verlieren. Die Kills sitzen, sind kreativ, aber erfreulich diszipliniert – eine wohltuende Abwechslung für Slasher-Fans, die mehr wollen als reine Effekthascherei.
Nach dem durchwachsenen Silent Night – Leise rieselt der Schnee (2012) erscheint diese Neuinterpretation des blutigen Xmas-Kults als bewusst kleiner, fokussierter Film, der erstaunlich vieles richtig macht. Kein Mainstream-Horror, kein großes Marketing-Tamtam – dafür alles an Bord, was das kranke Horrorherz begehrt.
Fazit: Ein äußerst solides, stimmungssicheres Genre-Stück mit Herz für den Slasher-Nerd.
7/10

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen