Black Christmas von Bob Clark zählt zu den absoluten Pionieren des Weihnachts-Slashers. Der Film beschritt seinerzeit mutig neue Wege und erfand – lange bevor Killerikonen wie Michael Myers oder Freddy Krueger die Leinwand eroberten – praktisch ein ganzes Subgenre neu. Die Geschichte um einen Mörder, der innerhalb eines einzigen Abends eine kanadische Studentinnenverbindung terrorisiert, basiert lose auf einer realen Mordserie aus der damaligen Zeit im Raum Westmount bei Montréal.
Seinen Kultstatus hat sich der Film redlich verdient und überzeugt vor allem auf inszenatorischer Ebene. Technisch präzise umgesetzt, glänzt Black Christmas durch die exquisite und kreative Kameraarbeit von Bert Dunk sowie durch die berühmt-berüchtigten, mehrfachen Schnittwechsel, die für weiche und elegante Szenenübergänge sorgen – großes Kino. Inhaltlich bleibt der Killer für den Zuschauer lange Zeit nahezu unsichtbar; alternativ schlüpft man durch die konsequent eingesetzte POV-Optik selbst in die Rolle des Mörders. Bis zum Ende – und sogar darüber hinaus – bleibt der Film dank seiner Brüche und unerwarteten Wendungen ein treibender, beklemmender Whodunit-Slasher.
Nicht nur hinter der Kamera glänzt das Ensemble, auch vor der Linse wird auf hohem Niveau gespielt. Ursprünglich war der Oscarpreisträger Edmond O’Brien als Lt. Kenneth Fuller vorgesehen, musste jedoch krankheitsbedingt (Alzheimer) durch John Saxon ersetzt werden, der im selben Jahr noch mit Bruce Lee in Enter the Dragon vor der Kamera stand. In der Hauptrolle der Jess überzeugt Olivia Hussey, bekannt aus Romeo und Julia. Als Nebenfigur tritt Margot Kidder auf, die später mit den Superman-Filmen zu einem unverzichtbaren Nerd-Faktor für Fans avancierte.
Der eigentliche Star des Films bleibt jedoch das Haus in der 6 Clarendon Crescent in Toronto. In dieser Location wurde der Kultfilm gedreht, und sie fängt das oft bedrückende, klaustrophobische Weihnachts-Setting perfekt ein. Die beinahe labyrinthartige Architektur und das leicht abgestandene Interieur bilden den idealen Spielplatz für die rohen, ungeschönten Kills des Slashers.
Ein Film, der zur Entstehungszeit mutiges Neuland betrat und Genregrenzen sprengte – ein zeitloser Beitrag zum Horrorkino, der bis heute nichts von seiner düsteren Magie verloren hat.

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