Ein Film, der von der Horror-Community sträflich ignoriert wurde. Vielleicht, weil man als Horrorfan in Kristen Stewart noch immer die Twilight-Romantikerin sehen wollte. Oder weil Underwater von Anfang an gegen einen unfairen Maßstab ankämpfen musste: Natürlich wird kein Horrorfilm je der erdrückenden Urgewalt des Meeresbodens gerecht. Und natürlich lässt sich Underwater – sichtbar inspiriert von Alien (1979) und The Abyss (1989) – sofort in deren Schatten stellen.
Nach der Disney-Übernahme von Fox verschwand die Produktion erst einmal drei Jahre im Archiv. Als der Film dann endlich erschien, ging die rund 80-Millionen-Dollar-Produktion mit gerade einmal 40 Millionen an den Kinokassen baden. Tragisch – denn Underwater liefert womöglich die bislang überzeugendste Visualisierung dessen, was einer lovecraft’schen Cthulhu-Manifestation am nächsten kommt. Spätestens beim finalen Auftritt dieser brachialen Tiefseekreatur, irgendwo zwischen Kaiju und kosmischem Grauen, denkt man unweigerlich: Das ist Cthulhu.
Nicht alles funktioniert reibungslos. Das Tempo stockt immer wieder, das Timing bricht an mehreren Stellen ein – etwas, das Ridley Scott bei Alien deutlich präziser beherrschte. Underwater wirkt dadurch gelegentlich sperrig, fast überkonstruiert. Der Film setzt klar auf Optik, Atmosphäre, ein überwältigendes Setting und eine konsequent durchgezogene Farbdramaturgie – scheitert aber an der Figurenzeichnung. Und das liegt ausdrücklich nicht am Cast: Kirsten Stewart und Vincent Cassel sind stark. Trotzdem bleibt die emotionale Bindung aus, ein Punkt, den The Abyss deutlich besser meisterte.
Dafür zieht einen Underwater gnadenlos hinab in die lichtlose Hölle des Meeresbodens und präsentiert ein in sich geschlossenes Werk, das trotz offensichtlicher Vorbilder eine eigenständige Identität entwickelt. Kein perfekter Film – aber ein mutiger, atmosphärischer und visuell beeindruckender Horrortrip, der mehr Anerkennung verdient hätte.
Ach ja: Wer genau hinsieht, entdeckt bei der Kapselschließung am Ende, dass Liam einen echten Hasen mit auf den letzten Weg nimmt. Ein wunderbares kleines Easter Egg – und ein unerwartet zärtlicher Moment im kosmischen Albtraum.
Fazit: Starker atmosphärischer Monsterfilm mit Tiefseekreatur die etwas mehr Screentime verdient hätte.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen