Kurzgeschichten zu schreiben gehört zu den schwierigsten Formen literarischer Darstellung. Oft geraten sie zu lang, dann wieder zu kurz. Der pointierte Abschluss wird zur komplexen Inszenierung, nicht selten wirkt er erzwungen, und der Autor ist gezwungen, auf eine großangelegte Ausschmückung zu verzichten. Flash Fiction gehört zu den kürzesten Formen der Kurzgeschichte – hier genügt mitunter sogar ein einziger Satz.
Ganz so kurz fällt die gelungene Auswahl klassischer Horror- und Geistergeschichten von Jochen Veit in diesem 189-seitigen Büchlein allerdings nicht aus. Zur vorzüglichen Autorenauswahl zählen unter anderem Charles Dickens, der mit Der Bahnwärter einen stimmungsvollen Gewaltmoment erschafft. Oder das verschrobene, aber eindringliche Auf dem nördlichen Eis von Elia Wikinson Peattie. Ebenso hervorzuheben ist das fast schon kriminalistische Schneetreiben von Hugh Walpole sowie Das Fest des Cosmic-Horror-Meisters H. P. Lovecraft.
Allesamt exquisite Geistergeschichten, die sich nicht zwingend mit Weihnachten befassen, sich jedoch hervorragend als winterliche Schauergeschichten lesen lassen. Eine attraktive Veröffentlichung, die aus dem Anaconda Verlag stammt und in den gespenstischen, düsteren Ecken der Buchläden ihr Dasein fristet. Die feinfühlige Gespenstergeschichtensammlung umfasst Texte aus den Jahren 1895 bis 1951 und ist jedem zu empfehlen, der nostalgische Horror Tales liebt und die wunderschön entschleunigte, alte Sprache des Suspense-Gänsehautgrusels zu schätzen weiß. Ein bezauberndes Geisterbüchlein, das sich sowohl hervorragend zum Vorlesen als auch als Geschenk eignet.
(via)


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