Das Werk ist ein gelungener Mix aus Kriminalstück und dem typischen Lovecraft Cosmic Horror und präsentiert dem Leser in zwei Timelines klassischen Kleinstadthorror eines Stephen Kings nicht ganz unähnlich. Ermittler Körner wird nach Grein, einem Gebirgsdorf ausserhalb Wiens geordert um einen Mord an einem 14jährigen Mädchen aufzuklären. Die Ermittlungen führen ihn nicht nur zurück in Greins Vergangenheit, sondern auch in seine eigene. Das Ganze braucht an die 150 Seiten bis das Horrorelement würdig platziert wird - was der Geschichte immens gut steht. Gruber inszeniert ein sympathisches Charakterkarussell und setzt den Fokus auf einen subtilen Aufbau um nach und nach gekonnt brachiale Höhepunkte zu setzten. Gerade auf den letzten 100 Seiten lerne ich sein Schreibhandwerk zu schätzen - hochspannend und druckvoll aber ohne übereilt den Figuren ein Bein zustellen, schaukelt sich der Judas Schrein zu einem gelungene Showdown hoch.
Vieles ist hier dogmatisch provokant und Gruber wagt sich weit hinaus - vergisst jedoch nie die klassische Lovecraft Atmosphäre aus den Augen zu verlieren - die Geschichte hat mich direkt nach Grein transportiert und mich teilhaben lassen an dem blanken Horror. Auf die Lovecraft Lyrik wird jedoch verzichtet - hier versucht Gruber erst gar nicht an die Sprache des Meister anzuknüpfen - eh ein Versuch der zum scheitern verurteilt ist! Wenn überhaupt jemand in der Lage ist, Lovecraft Lyrik einzufangen dann ist es wohl James Wade.
Der Judas Schrein hat mich gänzlich reingezogen und fand auch die Idee mit den zwei Timelines (Gegenwart und die 30 Jahre) sehr gelungen und auch wunderbar wie Gruber es vermag die Details am Ende in sich zu einem grossen Ganzen zu verarbeiten.
Tolle Horror Schauermär. 8/10

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