Wer hier einen weiteren Low-Budget-Horrorfilm nach bekanntem Direct-to-DVD-Muster erwartet, irrt gewaltig. Baby Blues Massacre entpuppt sich als überraschend kaltschnäuziger, kompromissloser Film, der sich lose an einem realen True-Crime-Fall orientiert. Im Zentrum steht eine junge Farmermutter, die nach der Geburt ihres vierten Kindes in eine schwere Depression abrutscht – und sich zunehmend in einer Psychose wiederfindet, in der sich eine fremde, fast schon satanisch anmutende Macht ihres Wesens bemächtigt.
Was zunächst wie ein routinierter Genrebeitrag klingt, kippt jedoch sehr schnell in eine verstörende Richtung. Der Film entwickelt sich zu einem gnadenlosen, kindermordenden Survival-Trip vor rauem Farmer-Setting. Gerade die explizite Gewaltdarstellung gegenüber Kindern ist schockierend direkt und beweist einen Mut zur Radikalität, der ihn deutlich von der gängigen Durchschnittsware abhebt. Baby Blues Massacre ist bitterböse, unangenehm und fühlt sich über weite Strecken bewusst falsch an – kein Horrorfilm für den beiläufigen Konsum, sondern einer, der eigentlich mit einer deutlichen Triggerwarnung versehen sein müsste.
Umso erstaunlicher wirkt rückblickend die vergleichsweise milde FSK-16-Freigabe (UNCUT), die angesichts der Thematik und der drastischen Bilder kaum nachvollziehbar erscheint.
Erzählerisch bleibt der Film bis zur letzten Minute konsequent spannend. Der Plot treibt sich stetig selbst voran, ohne Längen oder unnötige Entschärfungen. Atmosphäre, Gewalt und psychischer Verfall greifen ineinander und erzeugen ein dauerhaft bedrückendes, unbequemes Seherlebnis.
Fazit: Baby Blues Massacre ist kein Wohlfühl-Horror und will es auch nicht sein. Der Film ist düster, hart und moralisch schwer verdaulich – gerade deshalb aber bemerkenswert. Wer kompromisslosen Horror schätzt, der Grenzen überschreitet und sich nicht vor Tabus scheut, findet hier einen verstörenden, nachhaltig wirkenden Genrebeitrag. Für sensible Zuschauer absolut ungeeignet, für abgebrühte Horrorfans jedoch ein eindrucksvolles und mutiges Stück Exploitation mit ernstem Kern.


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